Die Sonntagsangler

Spinnfischen & Fliegenfischen in Brandenburg und Berlin

Meine erste Silbermedaille – Mit der Fliege an der Ostsee

Ihr habt es ja schon gelesen: Sander und ich waren in Dänemark. Und nachdem ich nun mittlerweile seit knapp 2 Jahren Forellen mit der Trockenfliege jage, stand nun ein weiteres Projekt auf dem Programm:

Dies Jahr gab es die Extra-Challenge, Leo zu seiner ersten Fliegen-Meerforelle zu verhelfen.

Laut Sander ja nur psychologisch schwer, aber dann steh mal bis zu den Familienjuwelen im Wasser und nichts als Wasser bis zum Horizont vor und neben dir. Kurz gesagt, ich war am Anfang mehr als eingeschüchtert. Und das obwohl ich in Lappland bereits einige Fische (na gut, zwei) jenseits der 55er-Marke auf Trockenfliege und Nymphe verhaften konnte. Es ist einfach eine andere Challenge, wenn man diese riesige Menge Wasser vor sich sieht. Aber der Reihe nach…

Nachdem wir am Abend vorher um 1 Uhr in Kopenhagen bei Jesper angekommen sind, haben wir ca. 5-7 „letzte“ Whiskeys getrunken und ordentlich Snus vernichtet. Mit anderen Worten: Die schwachen Gehirnzellen haben über Nacht einen schnellen Tod erlitten, sodass wir am nächsten Morgen etwas später gegen 8 Uhr in Richtung Strand gefahren sind. Doch nach gefühlten 5 Litern Kaffee und noch mehr Snus stieg meine Laune dann merklich – sehr zur Freude meiner Fischkollegen, denn meine Morgenmuffeligkeit ist mittlerweile über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannt.

Nachdem wir am Strand angekommen waren, warf ich nur einen kurzen, dafür sentimentalen Blick auf meine Beastmaster, die allerdings für den Rest des Wochenendes ein trockenes Domizil im Kofferraum unseres Fischer-Tourans gefunden hat. Und ich glaub, es hat ihr dort gefallen… nachdem ich bei unserem Frühjahrstrip bereits meine Rolle durch das Salzwasser ruinierte. Aber das ist eine andere Geschichte. Dank Jesper – von dem ich in den letzten Jahren viel gelernt habe – konnte ich eine 6er Rute mit einem Intermediate-Schusskopf fischen, deren Handling mir am Anfang etwas schwer fiel. Obwohl ich jetzt nun schon einige Jahre Werfen hinter mir habe und langsam das Intermediate-Level erreicht habe, war das Handling eines 10,60 m Schusskopfs nicht ganz easy für mich.

Und daher gesellte sich auch nach kurzer Zeit mein kleiner Fischer-Teufel auf meiner Schulter ein, der mich die ganze Zeit großartig entertainte:

Du wirfst nicht weit genug!

Du lässt die Schnur zu sehr aufs Wasser fallen!

Guck mal, die anderen werfen viel weiter!

Und da stand ich nun: Kalte Familienjuwelen und heiße Wut auf meine Skills. Aber entgegen Sanders Meinung finde ich schon, dass Fischen manchmal Arbeit ist… daher hab ich weitergemacht. Und glücklicherweise stellte sich dann nach einigen Stunden auf dem Riff auch der erste Zupfer ein. Dank meiner Spinnfischerreflexe nagelte ich die Rute gen Himmel und verschoss meinen ersten Meerforellenbiss auf Fliege… Anhieb und Gesichtsausdruck müssen gepasst haben, denn ich erntete eine Mischung aus erheiterten, besorgten und mitfühlenden Blicken. Aber immerhin: Kontakt! Ich mach also nicht alles falsch.

Und dann ging es schnell. Sander und Jesper hatten die Fische geortet und – ich danke euch dafür und werde es nicht so schnell vergessen – parkten mich auf der heißesten Stelle des Hotspots. Die beiden haben mich dabei perfekt geguidet, sodass es nach ca. 30 Minuten so in die Rute schepperte, dass ich den Zug sofort in der Fliegenschnur gemerkt habe. Das war kein kleiner Fisch! Ich habe nun schon den ein oder anderen Fisch gefangen, aber bei dieser Meerforelle zitterten mir mal wieder die Knie und mich durchzuckte ein Gedanke: „Wenn schon ein Herzinfarkt, dann wenigstens so.“. Ich drillte die Meerforelle entsprechend vorsichtig und zog sie nach und nach an mich heran.

Zur Freude meiner Fischkollegen ließ ich sie dann noch zwischen meinen Beinen durchschwimmen, doch auf wundersame Weise habe ich sie dabei nicht verloren. Und ja Sander, du hast es mir vorher gesagt!

Mit Jesper im Schlepptau navigierte ich die Schönheit dann in Richtung Strand und maß sie an der Rute. Nach einigen Sekunden im Wasser erlangte sie dann wieder ihre gute Laune zurück und schwamm unversehrt in Richtung Horizont.

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Da war sie dann: 54 Zentimeter und damit meine drittgrößte Forelle auf Fliege. Ich war stolz wie Oskar, und mit dem Vertrauen im Rücken habe ich am Samstag gleich noch eine 44er verhaften können und am Sonntag hab ich dann noch eine verloren. Aber die war eh klein 😉


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  1. Jesper aus Dänemark

    Lennart, du hast Es echt gut gemacht mit der Fliege and der Küste!

    Das erste foto sagt alles: Mefo, snus und Freude – it doesn’t get better!

    Jesper

  2. Leo

    Danke… war wirklich ein super Wochenende! Freue mich schon auf den Frühling 🙂

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