Die Sonntagsangler

Spinnfischen & Fliegenfischen in Brandenburg und Berlin

Tinca Tinca Summer Love!

Das schöne beim Angeln ist für mich, dass die Coolness der Methode einzig und allein durch uns selbst bestimmt wird. Für die Außenwelt ist die Wahrnehmung der Angelfischerei methodenunabhängig gleich. Ob man Würmer badet, mit der Fliege fischt oder zum Karpfencampen geht, macht nur aus der Innenperspektive einen Unterschied. Und genau diese Chance wollte ich ergreifen und habe für mich als neueste Regel definiert, Fische zu beangeln, die zur jeweiligen Jahreszeit auch richtig aktiv sind. Früher habe ich das komplett anders gesehen und nur Salmoniden zur legitimen Beute auserkoren. Ich habe genug Bach- und Meerforellen im Sommer gefangen, um zu wissen dass das (mir) keinen Spaß (mehr) macht.

 

 

Und genau deswegen habe ich beschlossen, diesen Sommer den Hechten und mir eine Pause zu gönnen. Die Schneidertage wurden mehr, und die Fischerei fühlte sich nach Arbeit an. Nach gründlicher Recherche kam für mich als Zielfisch die Schleie (lat. Tinca Tince, hence the Überschrift) in Frage. Zum einen gilt diese als sehr schwer zu fangen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Fänger ein Experte ist. Zum anderen habe ich über 20 Jahre nicht mehr mit der Pose geangelt und hatte Lust, meine Kindheitserinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Ich habe mir also eine neue Rute bestellt und das notwendige Zubehör und habe sogar Leo bequatscht, mitzukommen. Das war schwerer als man denkt, denn Leo ist der Meinung, dass bestimmte Methoden der Angelfischerei objektiv uncooler sind als andere. Aber ich hatte gute Argumente, die ich euch hier und heute erspare.

Als Friedfischangler ist die Wahl des richtigen Grundfutters eines der zentralen Themen der (Online-) Diskussion, wie ich gelernt habe. Ich habe es mir ganz leicht gemacht und das Futter vom Schleienschreck käuflich erworben. Dafür sprachen mehrere Gründe:

– Ich habe eh keine Ahnung und ein Futter ist wie das andere für mich.

– Leo brachte das Argument, dass das Futter von jemandem zu kaufen den Lifestyle dieser Person unterstützt. Das Futter ist also quasi der Redbull der Friedfischszene. Da mache ich mit.

– Die Youtube Videos vom Schleienschreck- Kanal sehe ich sehr gerne und bin imponiert, wie viele Schleien dort mit spottbilligem Gerät gefangen werden.

– das wortgewaltige Zitat „Ich füttere grundsätzlich nur wenig. Die Attraktivität des Platzes muss dann von alleine kommen“ vom Mann hinter der Marke Schleienschreck in einem Youtube-Video. Der Satz ist so tief, da kann man Stunden drüber nachdenken. Genau zwischen Dadaismus und Fachliteratur, großes Kino. @Oliver: Solltest du das lesen: Nein, ich mache mich nicht über dich lustig.

– Das Branding des Futters. Schleienschreck = Schleienfang habe ich verstanden.

Also sind wir früh aufgestanden (3:30 Uhr ist saufrüh) und haben uns an den Waldsee unserer Wahl aufgemacht. Anfüttern mit dem Schleienschreck-Futter, Gerät montieren, Pose in den Baum werfen und neu montieren hielten uns die ersten 10 Minuten beschäftigt. Danach fingen wir ein paar Rotaugen, Rotfedern und Brassen. Und dann hing beim Einkurbeln zum Köder kontrollieren auf einmal ne Schleie bei mir dran. Der Fisch war im Maulbereich außen gehakt und ich glaube, dass er das Maiskorn gar nicht fressen wollte. Anderseits hing der Haken eben im Maulbereich und gilt deswegen nach den ehernen Regeln der Fliegenfischerei nicht als foul hooked.

Mission Schleie ist damit erfolgreich gleich ab Tag 1. Ich glaube, Tinca Tinca wird meine fischereiliche Sommerliebe.

 

2015-08-01 08.00.14

 

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  1. elli

    Moinersen,
    da kann man ja jetzt wirklich nur gratulieren – also: dickes „Hut ab“!
    (War mir ehrlich gesagt bei unserem kleinen Besprechungsbierchen vor Lappland nicht sicher, wie ernst das mit dem Ansitzen werden wird, nun gut…)
    erstma‘
    elli
    p.s.: Schicker Klappstuhl auch!!!
    p.p.s.: UND WANN WIRD NUN GESTIPPT?

  2. Leo

    Ich hab es getan… ich war stippen. Und es hat Spaß gemacht.

    Das muss ich jetzt erstmal verarbeiten, hoffentlich sorgt das nicht für schlechtes Mojo beim Hechtfischen.

  3. SchleienSchreck

    Ja grüße dich 😉 habs gerade gelesen. Freue mich sehr für dich das du Schleien erbeuten konntest 🙂 Es ist doch immer wieder ein besonderer Zauber, im Morgengrauen an einem See zu Sitzen, die Sonne aufgehen sehen, das Wasser beginnt zu Kochen von den gründelnden fischen. Die Pose in mitten dessen platziert und dann kommt der Biss. Die Rute ist krumm und der Drill beginnt. Du hast das Schreiben echt drauf, meinen Respekt 🙂

    • Sander

      Hallo SchleienSchreck,

      vielen Dank für deine netten Worte und alles Gute für die Saison 2016!

      LG
      Sander

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