Fliegenbinden stellt für viele ein besonderes Hobby dar, bei dem man sich kreativ selbst verwirklichen kann und kleine Kunstwerke erschafft. Mir ging das ehrlich gesagt noch nie so. Eine Fliege hat eine Kernaufgabe, nämlich den Fisch zum Biss zu triggern und dann sicher zu haken. Alles, was dazu nicht benötig wird, ist erst einmal Beiwerk.

Beim Küstenfliegenfischen auf Meerforelle kommen aus meiner Sicht noch weitere Anforderungen hinzu:

  • Die Fliege muss sich gut werfen lassen und darf sich nicht vertüdeln. Kugelaugen sind zum Beispiel schlecht, weil sich das Vorfach gerne darum verknotet. Lange Marabou Schwänze scheiden auch aus, da sich die gerne um den Hakenbogen wickeln.
  • Eine leichte Beschwerung ist wichtig, zum einen, damit die Fliege schnell auf die nötigen 30-50cm Lauftiefe kommt, zum anderen, damit bei der Sichtfischerei genau der Plopp beim Auftreffen der Fliege auf die Wasseroberfläche entsteht, der die Forelle in diese Richtung suchen lässt.
  • Die Fliege macht im Wasser einen leicht transparenten, fusseligen Eindruck. Wer jetzt lacht, sollte sich mal die Armada von gängigen dänischen Küstenfliegen anschauen und dann beschämt zu Boden blicken.
  • Die Materialien der Fliege falten sich beim Biss in sich zusammen, damit der Haken sauber fassen kann.
  • Hakengröße 6-8 ist nie verkehrt, kleiner und größer geht auch, aber eben nicht immer.
  • bei viel Sonne ist weiß gut, im Winter bunt, aber Brauntöne gehen immer bei allen Bedingungen
  • Optional, aber für faule Binder wichtig: Die Fliege hält lange und lässt sich schnell binden.

Wenn man nun eine Fliege gefunden hat, die diese Anforderungen erfüllt, kann man bei diesem einem Muster für immer bleiben, denn das Fliegenmuster an sich ist so gut wie immer bedeutungslos an der Küste, solange obige Anforderungen erfüllt sind. (Das Kleingedruckte: Die einzige Ausnahme stellt die Nachtfischerei im Sommer dar.)

Nachdem ich neulich ein Bindevideo für Zonker gesehen habe, bei dem mal wieder alle Register der Verkomplizierung gezogen wurde, habe ich bei der nächsten Jogging-Runde überlegt, was man eigentlich alles weglassen könnte. Typisch Berliner Minimalismus-Denken eines Gr0ßstadthipsters also.

Und so kann mir die Idee, fast alles wegzulassen: Die benötigten Materialien sind nur etwas Zinndraht, Bindefaden, Haken und Mink-Strips. Auf Mink-Strips hat mich mein Freund Jesper gebracht, der damit eine sehr schöne Küstenfliege namens „Das Nerzchen“ kreiert hat.

Ach ja, der Namen „Your Mama“ kommt ebenfalls von Jesper: „This fly is hairy, extremely easy (to tie), and your are ready for business within 5 minutes. Like your mama“. Sauber, Jesper. Reiht sich schön in die Tradition amerikanische Streamer ein (Girl on Girl Action, Sex Dungeon etc.).

Also nun zur Bindeanleitungen. Diese Materialien braucht man:

 

Man spannt den Haken ein und bringt die Beschwerung an:

 

Danach ein Mink-Strip hinten einbinden, nicht zu lang, sonst tailt die Fliege ein:

 

Danach den Strip direkt hinter der Bleibeschwerung einbinden (nicht abschneiden!):

 

Danach den Strip wie eine Hechel um den Haken wickeln:

 

Nun den Mink-Strip abschneiden, dann Kopfknoten und die Fliege ist fertig:

 

Wenn man ein bißchen Übung im Fliegenbinden hat, braucht man max. 5 Minuten für eine Fliege, so dass der nötige Vorrat schnell gebunden ist.

 

Your Mama hat sehr gut gefangen, wie es jede andere gute Küstenfliege auch tut, aber mit weniger Materialien und schneller zu binden als die meisten Muster, die von ambitionierten Fliegenbindern entworfen werden. Probiert das Muster einfach aus, wenn ihr eher Fliegenfischer als Binder seid. Geht bestimmt auch super am Sbirolino. Und wem das zu simpel ist, kann ja gerne Flash, Gummibeine, ein Köpfchen mit Klebeaugen und was weiß ich noch alles ergänzen.

An dem Tag war Sonne, da gab es eine weiße Your Mama.